Biohacking

Frau in Kältekammer der Vitalfabrik Rüti

Was bewirkt die Kältetherapie?

Eine Kältebehandlung kann sportlichen, medizinischen, präventiven sowie ästhetischen Zwecken dienen. Sie beflügelt Körper, Geist und Seele und wirkt wie ein Turbobooster auf unseren ganzen Organismus. Somit eignet sich ein Kältetraining für Jung und Alt – vom Profisportler bis zum Schmerzpatienten.

In der Kältekammer erlebt der ganze Körper für eine kurze Dauer (2 bis 3 Minuten) eine extrem niedrige Temperatur (-110 Grad Celsius). Durch die trockene Kälte besteht weder die Gefahr einer Unterkühlung, noch des Erfrierens. Doch was passiert? Der Körper tut alles, um seine Kerntemperatur bei ca. 37 Grad Celsius zu halten. Die Blutgefässe in den Extremitäten verengen sich, damit weniger kaltes Blut in die Körpermitte strömt. Die Hautdurchblutung wird deshalb gedrosselt und der Blutdruck steigt. Das Herz muss das Blut nun gegen einen grösseren Widerstand durch die Adern pumpen, was den Kreislauf trainiert.

Durch den thermischen Schock aktiviert der Körper seine Schutzmechanismen, kurbelt den Stoffwechsel an und produziert dadurch Wärme. Diese Reflexe haben positive Auswirkungen auf eine Vielzahl von Krankheitsbildern und Verletzungen sowie auf den Kalorienverbrauch und auf das Wohlbefinden insgesamt. Schmerzen können bessern, weil die Kälte die Leitungsgeschwindigkeit der Nerven herabsetzt und die Schmerzrezeptoren in ihrer Aktivität dämpft. Die Kälte stimuliert den gesamten Körper und provoziert physische und hormonelle Reaktionen. Das führt einerseits zu guter Laune und Zufriedenheit (Freisetzung von Endorphinen) und unterstützt andererseits die Regeneration. Sobald sich die Blutgefässe wieder weiten, verbessert sich, durch die verstärkte Herzaktivität, die Durchblutung und damit auch die Sauerstoffversorgung. Die Produktion von Kollagen sowie neuer Zellen wird angeregt. Die entgiftende Wirkung der Kälteanwendung ermöglicht unter anderem die Lockerung und Entspannung der Muskeln. Aufgrund der Entgiftung kann es nach der Behandlung selten auch zu Müdigkeit oder Kopfschmerzen kommen.

Literaturtipps

  • Prof. Dr. sc. med. Winfried Pappenfuss: Die Kraft aus der Kälte
  • Prof. S. Ückert: Temperatur und sportliche Leistung
  • Wim Hof / Koen de Jong: Nie wieder krank
  • Dr. Josephine Worseck: Die Heilkraft der Kälte

Altes Wissen, neuer Trend

Bereits Hippokrates (460-377 v. Chr.) verwendete kaltes Wasser, kalte Umschläge und kalte Kompressen. Der Schweizer Arzt Paracelsus (1493-1529) führte vor Operationen Eis- und Schneebehandlungen durch. Der Erfinder und englische Arzt James Arnott (1797-1883) entwickelte ein Kühlgerät, welches minus 20 Grad erzeugen konnte. Er war der Erste, der extreme Kälte für die Zerstörung von Tumoren nutzte. Eine bis heute anhaltende Popularität der Kaltwasseranwendungen verbreitete der Naturheilkundler Sebastian Anton Kneipp (1821-1897). Durch wöchentliche Eisbäder in der kalten Donau heilte er seine Lungenerkrankungen. Jedoch nicht nur Wasser, auch Luft wurde Mitte des 19. Jahrhunderts zur Therapie von Krankheiten eingesetzt. Diese Form wurde im Laufe der Zeit weiterentwickelt und verbessert. Der japanische Rheumatologie Professor Toshiro Yamauchi konstruierte Ende der 1970er Jahre die erste Kältekammer und führte 1980 in Japan die Ganzkörperkältetherapie bei der Behandlung der Rheumatoiden Arthritis ein. Der deutsche Rheumatologe Prof. Reinhard Fricke erkannte die Bedeutung der Ganzkörperkältetherapie und brachte diese 1984 nach Europa. Prof. Dr. sc. med. Winfried Papenfuss (geb. 1933) erforschte die Ganzkörperkältetherapie durch klinische und sportphysiologische Untersuchungen und gilt bis heute als Kältepapst der Ganzkörperkältetherapie. In den letzten 20 Jahren gewann die Kältebehandlung immer mehr Anhänger: aus medizinischen Gründen sowie zu sportlichen, präventiven und ästhetischen Zwecken.